Der wichtigste Wunsch aller Brautpaare ist wohl, glücklich zu sein. Wen wundert’s, dass die Trauung nicht nur der feierliche Start in die Ehe ist, sondern auch der beste Zeitpunkt, dem Glück auf die Sprünge zu helfen. Es gibt jede Menge vielversprechender Bräuche, die vor Unheil schützen und für Liebe, Treue, Gesundheit, Wohlstand oder Kindersegen sorgen.

 

Verwechslungen nicht ausgeschlossen

Ganz entscheidend ist es, die bösen Geister der Braut nicht zu nahe kommen zu lassen! Für einen der Tricks sind Brautjungfern unverzichtbar, deren Kleider dem der Braut möglichst ähnlich sehen. Dann wissen die unfreundlichen Dämonen nämlich nicht mehr, welche von Ihnen die Braut ist und können kein Unheil stiften. Den Bräutigam schützen mit dem gleichen Trick die Brautführer. Ein Brautstrauß mit etwas Rotem und den richtigen Kräutern sorgt ebenfalls für Ruhe vor den Störenfrieden. Und dass die Braut die Türschwelle unter gar keinen Umständen berühren darf, weil unter ihr die garstigen Geister hausen, ist allgemein bekannt: Über die Schwelle getragen werden die Bräute ja auch heute noch.

 

Wohlstand erwünscht?

Nichts einfacher als das: Zu allererst sollte die Braut ein Geldstück im Brautschuh verstecken, der Bräutigam am besten eine noch größere Münze. Dann ist es um die Finanzen auch in der Ehe gut bestellt. Doch Geld ist selbstverständlich nicht alles im Leben: Einige nette Bräuche dienen dazu, Glück und Segen auf das Brautpaar zu lenken. So sollte man keinesfalls bei abnehmendem Mond heiraten, damit das Glück nicht auch abnimmt. Und auch die Sonne sollte noch steigen, also besser am Vormittag „ja“ sagen als am Nachmittag. Weniger Einfluss hat man ja bekanntlich auf das Wetter. Doch zum Glück kann man sich aussuchen, was Regenwetter zu bedeuten hat: „Wenn es regnet am Altar, bringt es Glück für viele Jahr,“ sorgt für das gute Gefühl bei Regenwetter und wenn die Sonne, scheint behilft sich ein optimistisches Brautpaar mit der Weisheit, dass Regen eh nur Tränen und Armut bringt.

 

Bayerische Bräuche

 

Der Hochzeitslader

In Bayern und Österreich können sich Brautpaare Unterstützung von einem Hochzeitslader holen. Er hilft bei der Planung, Organisation und Durchführung der Hochzeit. Im Unterschied zu einem Hochzeitsplaner, auch Weddingplanner genannt, der sich am Tag der Feier eher im Hintergrund um den Ablauf kümmern, bringt sich der Hochzeitslader aktiv in die Feier mit ein und fungiert am Tag selbst auch als Moderator und Zeremonienmeister. Der Name „Hochzeitslader“ kommt vom „Gäste einladen“. Der Brauch stammt aus der Zeit, als es noch schwerer und teurer war allen Gästen eine schriftliche Einladung zukommen zu lassen. Daher ging der Hochzeitslader von Tür zu Tür und trug die Einladung in einem Vers vor. Auf Wunsch gehen Hochzeitslader auch heute noch „zum laden“.

Für traditionsbewusste Brautpaare sind Hochzeitslader eine echte Hilfe. Er kennt die typischen Bräuche nicht nur, die auf einer echten bayerischen Hochzeit nicht fehlen dürfen, er kann sie auch umsetzen. Wer stellt ansonsten den Hochzeitszug aus der Kirche „richtig“ auf und kann diesen in kürzester Zeit organisieren? „Besonders bei diesen Dingen fällt es an einer Hochzeit auf, wenn der Hochzeitslader fehlt. Viele Bräuche verlaufen dann chaotisch oder entfallen ganz.“ sagt Hochzeitslader Klaus Schmid aus Altenmarkt, in der Nähe vom Chiemsee. Ständiger Begleiter des Hochzeitsladers ist ein mit Bändern verzierter Stock. Die Farben der vier Bänder symbolisieren Liebe (rot), Treue (blau), Hoffnung (grün) und Jungfräulichkeit (weiß). Ein weiteres Markenzeichen sind die sogenannten „Gstanzl“. Die gesungenen Gedichte sind meist spontan improvisiert und beziehen sich auf das Brautpaar selbst, Geschichten aus ihrer bisherigen Beziehung oder auf die Hochzeitsgesellschaft.
„Gstanzl“ sind eine lustige Art das Brautpaar und die Gäste untereinander humorvoll vorzustellen, wobei die Besungenen mitunter etwas auf den Arm genommen werden. Hier geht es auch mal derb zu, aber laut dem Hochzeitslader Klaus Schmid sind hierbei jedoch Witze unterhalb der Gürtelline absolut tabu. Für eine gelungene Hochzeitsfeier sollte das Brautpaar daher darauf achten, dass der Humor des Hochzeitsladers mit ihrem und dem der Gäste übereinstimmt. Üblicherweise finden Brautpaare einen Hochzeitlader über Empfehlungen oder lernen diesen auf Hochzeiten im Bekanntenkreis kennen. Aber immer mehr Hochzeitlader sind inzwischen über ihren Internetauftritt auffindbar.

Das Kranzlpaar

Eine weitere bayerische und österreichische Tradition ist das Kranzlpaar. Dieses Ehrenamt wird einem unverheirateten Paar aus dem Freundeskreis verliehen oder einer unverheirateten Freundin der Braut und einem unverheirateten Freund des Bräutigams. Die Aufgabe des Kranzlpaars besteht darin das Brautpaar am Hochzeitstag bei bestimmten Aufgaben zu unterstützen, die nicht von den Trauzeugen übernommen werden. Die Aufgaben variieren von Region zu Region. Eine typische Aufgabe des Kranzlpaars ist es zum Beispiel, vor der Kirche die selbstgebastelten Gästeanstecker und Autoschleifen an die Gäste zu verteilen. Hierbei ist es üblich, dass die Gäste dem Kranzlpaar etwas Geld zur Unkostendeckung geben. Weit verbreitet ist die Aufgabe nach dem Eröffnungstanz des Brautpaares immer als erstes Paar auf der Tanzfläche zu stehen. Sollte das Kranzlpaar es einmal nicht schaffen als erstes auf der Tanzfläche zu sein, müssen sie der Band dafür eine Runde Schnaps ausgeben. Der positive Effekt hierbei ist, dass es den Gästen leichter gemacht wird, sich ebenfalls auf die Tanzfläche zu trauen. Hochzeitslader Klaus Schmid aus Altenmarkt stellt hierbei einen Trend fest: „Hochzeiten ohne Kranzlpaar gibt es bei uns in der Region so gut wie gar nicht. Es ist ja auch eine echte Erleichterung für das Brautpaar.“

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